Papenhorst

1868_amtlicher Anzeiger

Geschichte der Alvesser Mühle auf der Papenhorst
Historisches Baudenkmal  steht heute im Freilichtmuseum Hessenpark

Am 11. Januar 1868 wurde der Müllergeselle Carl Boes aus Abbensen auf dem Amte in Meinersen vorstellig und trug vor, „er beabsichtige an dem Wege von Eickenrode nach Alvesse eine Korn-Bockwindmühle mit einigen Gängen zu bauen und bitte, ihm dazu die Erlaubnis zu erwirken. Sein Mahlkreis würde aus den Ortschaften Plockhorst, Eickenrode, Alvesse und Rietze bestehen. Die Ortschaften seien über eine Stunde von der nächsten Mühle entfernt.“

Bevor dieser Antrag weiter bearbeitet wurde, befragte man am 22. Januar 1868 die Ortsvorsteher der genannten Orte, ob ein Bedarf für die Mühle gegeben sei. Alle Gemeindevorsteher, auch Schridde aus Alvesse und Wrede aus Rietze sahen kein zwingendes Bedürfnis einer zusätzlichen Mahlgelegenheit, hatten aber keine grundsätzlichen Bedenken.

 

1919Offenbar war das Bedürfnis nach einer Mühle in diesem Gebiet doch größer, als es nach den Stellungnahmen der Ortsvorsteher den Anschein hatte. Denn kurz nach Boes‘ Antrag meldete sich der Gifhorner Mühlenpächter Heinrich Wilhelm Jäger auf dem Amt Meinersen und trug vor, er wolle unmittelbar am südlichen Ortsrand von Eickenrode ein Haus und eine Windmühle bauen. Jäger musste sich zunächst mit dem Hinweis begnügen, dass sein Antrag erst bearbeitet werden könne, falls der von Boes abschlägig beschieden worden sei.

Carl Boes hatte inzwischen seinen Bauplatz am Wege von Eickenrode nach Blumenhagen, in der sogenannten Papenhorst, vom Hofbesitzer Heuer erworben.

Der Bau einer Mühle war von öffentlichem Interesse und musste an den üblichen Stellen veröffentlicht werden. Diese Bekanntmachungen riefen verständlicherweise folgende Mühlenbesitzer in der Umgebung auf den Plan:

Carl Bühring / Dedenhausen, Carl Scharlemann / Eltze mit jeweils einer Wassermühle an der Fuhse, sowie des Fr. Mollenhauer / Meinersen, Schierhorn / Hillerse mit jeweils einer Wassermühle an der Oker und des W. Peters / Edemissen mit einer Holländischen Windmühle, die ihrerseits kein Bedürfnis zum Bau einer zusätzlichen Mühle sahen, da hinsichtlich der Entfernungen und der Bedingungen alles bestens in dieser Region geregelt sei.

Das Amt Meinersen sprach sich für den Boeschen Antrag aus, da dessen Standort der zentralere sei und damit eine Erleichterung vor allem für die kleineren Leute eintreten werde, die über kein eigenes Fuhrwerk verfügten.

Auch sei Boes zeitlich vor Jäger mit seinem Antrag eingekommen. Dieser Meinung schloss sich am 12. August auch die Landdrostei Lüneburg an und erteilte die sofortige Baugenehmigung am 11. November 1868.

Im Frühjahr 1869 konnte der Mühlenbetrieb in der Alvesser Mühle aufgenommen werden.

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Rund hundert Jahre tat sie treulich ihren Dienst. 1958 legten Theodor und Anneliese Matthies die Mühle still, nachdem sie nur noch als gewerblicher Nebenbetrieb zu ihrer Landwirtschaft eine Rolle gespielt hatte.

1958_VerfallObwohl die Mühle mehr und mehr verfiel, von den Besitzern aus Kostengründen nicht mehr instandgehalten werden konnte, wurde sie vom Land Niedersachsen unter Denkmalschutz gestellt. Um sie vor dem völligen Untergang zu retten, erhielt der Mühlenfachmann Reinhard Leichert aus Schleswig-Holstein schließlich die Genehmigung, die Mühle abzutragen, allerdings mit der Auflage, sie an anderer Stelle wieder aufzustellen. Seinem Antrag, sie in seinem kleinen Mühlenmuseum in Husberg bei Neumünster neu zu errichten, wurde nicht stattgegeben. Als Lösung bot sich am Ende der Verkauf an den Hessenpark bei Usingen an. Im Jahr 2015 fand eine Wiedereröffnung der Mühle statt. Das Innere der Bockwindmühle wurde für Besucher und Besucherinnen wieder zugänglich gemacht.

Quellen:
1. Akte des Nds. Hauptstaatsarchivs Hannover, Hann. 74 Meinersen Nr. 1147;
2. Eugen Ernst, Die beiden Windmühlen im Hessenpark, in: Eugen Ernst und Heinz Reitz, Mühlen in Geschichte und Zukunft, Hessenpark, Schriftreihe des Hessischen Freilichtmuseums, Heft 8, Neu-Anspach 1991.
3. Foto, Familie Matthies